Freitag, 7. November 2014

»Am Kurpark« für Radler wieder frei

Verwaltungsgericht hebt Radwegebenutzungspflicht auf

Vielen wird das blaue Schild gar nicht aufgefallen sein, das seit der Wiedereröffnung der Bad Staffelsteiner Straße „Am Kurpark“ im Jahr 2013 kurz vor der Einfahrt zum alten Hallenbad stand (und erst in jüngster Zeit durch weitere Schilder an der Zufahrt zum Kurhotel und am Parkplatz der Schön-Klinik ergänzt wurde), schließlich war es zusätzlich mit „Ende“ markiert.

»Am Kurpark« in Bad Staffelstein

Nur wer aus Richtung Süden aus der „Oberauer Straße“ kam, rieb sich verwundert die Augen, wenn der linksseitige „Radweg“ in weitem Bogen in Richtung Unnersdorf schwenkte, obwohl der Radverkehr nach „Lichtenfels“ und zur „Innenstadt“ doch eindeutig über den neuen Kreisel und durch die Eisenbahnunterführung geleitet wurde.

Als passionierter Radfahrer versuchte ich, die Verwaltung direkt im Anschluss an die Wiedereröffnung der Straße „Am Kurpark“ auf ihren „Strickfehler“ aufmerksam zu machen, und legte Widerspruch gegen die Anordnung der Radwegebenutzungspflicht ein. Trotz mehrfachem Schriftwechsels und zweier Verkehrsschauen im Herbst 2013 blieb mein Ansinnen, die bisherige fahrradfreundliche Verkehrsführung wieder herzustellen, ohne Erfolg – die Verwaltung hielt an ihrer „Meinung“ fest. Selbst ein im Zuge des Verfahrens erfolgtes Vergleichsangebot wurde abgelehnt.

Jetzt wurde die Streitfrage durch das Verwaltungsgericht Bayreuth unter dem Aktenzeichen „B 1 K 13.837“ entschieden: der „Radweg“ – sofern es sich bei der neu angelegten Nebenanlage überhaupt um einen solchen handelt – ist nicht benutzungspflichtig, die blauen Schilder müssen abmontiert werden. Kernpunkt für die richterliche Entscheidung ist §2 der Straßenverkehrsordnung (Absatz 4), nach dem es „grundsätzlich zulässig ist, dass Radfahrer nicht einen vorhandenen Radweg, sondern die Fahrbahn benutzen“. Im vorliegenden Fall waren die tatbestandlichen Voraussetzungen für die Anordnung einer Radwegebenutzungspflicht schlichtweg nicht gegeben.

Insbesondere ortsfremde Radtouristen werden sich in Zukunft freuen, wenn sie korrekt der Beschilderung des „Mainradweges“ folgen können und dabei nicht mutwillig „in die Irre“ geführt werden. Auch die Fahrtrichtung „Unnersdorf“ und „Kloster Banz“ lässt sich gemäß der grünen Ausschilderung problemlos auf der Fahrbahn über die Zufahrt zur Schön-Klinik erreichen.

Presse

Den obigen Text habe ich im Nachgang an die Rechtskraft des VG-Urteils (17.10.2014) an die beiden lokalen Zeitungen »Obermain Tagblatt« und »Fränkischer Tag« zu Veröffentlichung geschickt. Das »OT« fand das Thema leider nicht interessant genug; der »FT« lud mich jedoch zu einem vertiefenden Interview samt Phototermin nach Bad Staffelstein und veröffentlichte am 3.11.2014 einen eigenen Text mit gleichem Tenor.

Sonntag, 21. September 2014

»Mehr Licht!« sprach Geheimrat Goethe

Cyo senso plus

Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich an meiner Speedmachine die vieradrige Verkabelung des Frontscheinwerfers mit einem professionellen Steckverbinder erneuert. Das schaute im Vergleich zu dem »Knubbel«, der im Jahr 2008 durch den Wechsel vom original verbauten »Lumotec Oval« zum »Cyo« entstanden war, richtig klasse aus. Außerdem war das eine erste Vorbereitung für ein mögliches »Upgrade«, denn zeitgleich brachte »Supernova Lights« die zweite Ausführung der »E3 Pro« mit nochmals verbesserter Seitenausleuchtung ins Rennen. (Ein Test dieses Scheinwerfers im Herbst 2013 brachte allerdings ein – für mich – enttäuschendes Ergebnis.)

Edelux II Edelux II

Bei den 17. Bayerischen Liegeradtagen hatte ich die Gelegenheit, im Halbdunkel am Kiosk einen »Edelux II« auszuprobieren. Das im Vergleich zur »Tischtennisplatte« des »Cyo« erheblich breitere Leuchtbild war insbesondere bei Kurvenfahrt sofort überzeugend. So fiel es mir nicht schwer, nach einer Vollmondfahrt im Itzgrund die Entscheidung zu treffen, mal wieder etwas an der Alltagstauglichkeit meiner Speedmachine zu verbessern und nach sechs Jahren die Frontbeleuchtung zu erneuern.

Angebotsübersicht

Am 18.09. hole ich also beim Bamberger Radladen den bestellten Edelux in blau ab und verbringe den Abend mit der Kontaktaufnahme per Automotive-Stecker. Am Abend des 19.09. will ich »eigentlich« nur eine kleine Runde nach Michelau am Main und zurück machen, um die Höhe/Weite des Scheinwerfers passend einzustellen (und nehme dabei noch nicht mal einen Wasservorrat mit), aber nach 1:22 h und der Umrundung von Bad Staffelstein stehen mehr als 30 km auf dem Tacho :o). Nach der erfolgreichen Operation ist der »alte« Cyo zusammen mit dem kompletten Montagematerial für die Gegenseite zu verkaufen. Der »alte Cyo« wurde mit dem Koaxkabel des »Edelux« aufgewertet und an mein Up montiert; dessen »alter Cyo« ist jetzt zu verkaufen. Mit dem »langen« Edelstahlhalter von »b+m« rückt der Scheinwerfer um gut drei Zentimeter nach vorne.

Dienstag, 29. Juli 2014

17. Bayerische Liegeradtage

Traditionell trifft sich die »bayerische« Liegeradszene am letzten Wochenende vor den Sommerferien am »Kiosk Nepomuk« in Ornbau–Gern an der Altmühl. Ohne formelle Anmeldung und ohne »große« Organisation entwickelt sich regelmäßig ein familiäres Treffen mit vielfältigen Gesprächen, kulinarischen Genüssen und einer gemeinsamen Ausfahrt.

Album bei Google Photos

AnreiseAusfahrtAbreiseFazit

Tag 1, Freitag, 25. Juli 2014: Lichtenfels – Ornbau

Anreise
147 km

Jeder Dritte, der hier parkt, wird erschossen! Zwei waren gerade da.

Wie bereits 2011 und 2013 fahre ich auch in diesem Jahr »direkt« nach Ornbau. Auf der längeren Tagesetappe bildet sich unterwegs eine kleine Gruppe von Mitfahrern. Nach circa einer Stunde in der kühlen Morgenluft treffe ich in Breitengüßbach Jürgen aus Coburg. Über Bamberg, Strullendorf und Hirschaid geht es zügig nach Forchheim. Noch bevor am dortigen Rathaus der Umzug zum »Annafest« Aufstellung nimmt, genießen wir zusammen mit Simon einen Kaffee und Cookies. Weiterhin auf der Hauptverbindungsstraße fahren wir nach Erlangen zum Bahnhof, wo wir gegen Mittag Markus erwarten, der uns – diesmal an Nürnberg vorbei – nach Ornbau führen soll. Einige Kilometer vor dem Etappenziel begrüßt uns ein leichter Regenschauer, nach der Ankunft bleibt das Wetter am Abend aber trocken. Beim gemeinsamen Abendessen wird in großer Runde viel gefachsimpelt. Leider muss ich dabei feststellen, dass der Federteller am Hinterbau meiner Speedmachine geborsten ist und fast ein Drittel der Stützscheibe abgebrochen ist. Zum Glück ist der Rest noch stabil genug, um die verbleibende Tour durchzustehen.

Tag 2, Samstag, 26. Juli 2014: Ornbau – Schillingsfürst – Ornbau

Ausfahrt
85 km

Herzliches Willkommen Gruppenphoto vor der Ausfahrt Mittagsrast bei der Fremdenlegion

Erster Höhepunkt des Tages ist natürlich … das großartige Frühstücksbuffet in der Scheune. Evi zaubert für jeden Geschmack etwas auf die Tische und die beiden Kaffeemaschinen müssen ausdauernd arbeiten, um der Nachfrage Herr zu werden. Nach dem obligatorischen Gruppenphoto starten wir gegen halb zehn zur gemeinsamen Ausfahrt nach Schillingsfürst. Im Biergarten des Schlosscafés oberhalb der Stadt machen wir Mittagsrast. Die nachmittägliche Rückfahrt wird unterbrochen von einem Gewitter mit starkem Regen, was zu einer etwas unkonventionellen »Abkürzung« führt, die sehr stark an den Kräften zehrt. Zum Glück hört der Regen bald wieder auf, so dass auf der restlichen Heimfahrt die Regenklamotten wieder trockengeblasen werden. Wiederum gibt es ein nettes Beisammensitzen mit Speisen und Getränken. Nach Einbruch der Dunkelheit lasse ich mir von Markus den »Edelux II«-Scheinwerfer vorführen; der steht jetzt ganz oben auf meiner Wunschliste. :o)

Tag 3, Sonntag, 27. Juli 2014: Ornbau – Lichtenfels

Abreise
153 km

Kanalbrücke der A3 bei Erlangen

Der starke Westwind bringt in der Nacht glücklicherweise keinen weiteren Regen; statt dessen sind am Morgen die Zelte trocken gepustet. Bereits kurz nach halb sieben beginnen die ersten, das Lager abzubrechen und die Fahrzeuge für die Heimfahrt zu bepacken. Natürlich gehört wieder ein »petit déjeuner à la grande manière« ebenfalls zu den Reisevorbereitungen dazu. Gegen halb zehn brechen wir zu sechst in Richtung Nordosten auf. Johannes und Thomas verlassen uns etwa auf der Höhe Windsbach, Markus zweigt bei Ammerndorf ab, und ich verabschiede mich bei Zirndorf am Main–Donau-Kanal von Jürgen und Thomas, die in Fürth zum Zug wollen. Mit einer einzigen Vesperpause bei Baiersdorf schaffe ich es »in einem Rutsch« über Erlangen, Forchheim und Bamberg zurück nach Lichtenfels. Das aufziehende Gewitter am Abend kann ich zwischen Ebensfeld und Staffelstein gerade noch überholen, auch wenn der gegenläufige Wind mich hartnäckig bremst; erst zuhause beginnt es sanft zu regnen. Noch am Abend läuft die Waschmaschine und die Campingsachen hängen zum Lüften aus.

Fazit

Diesmal gab es beim »Material« einige kleinere Ermüdungserscheinungen: Ausgerechnet beim »Gruppenphoto« verliert mein Ministativ einen der drei Gummifüße; zuhause finde ich einen brauchbaren Ersatz in Form einer Holzperle. Der Zehensteg am »Flip« reißt fast durch; mit Perlonfaden lässt sich der Schaden beheben. Der Staubdeckel an der Clickbox der Dualdrive-Schaltung wird durch die rechte Packtasche abgeschlagen und liegt jetzt irgendwo zwischen Altmühl, MDK und Main; hier muss ich bei Gelegenheit Ersatz beschaffen.

Das gravierendste Problem ist aber der gebrochene Federteller an der Hinterbaufederung, denn eigentlich ist die Speedmachine nicht mehr fahrbereit. Am Montag Nachmittag fahre ich mit dem »Up« zu Mr. Bike in Lichtenfels und zu Radsport Höppel in Staffelstein. Jener würde mir gerne ein komplettes Feder–Dämpfer-Element verkaufen, dieser will am Abend im »Außenlager« nach einem passenden Ersatz suchen – wird am Ende jedoch nicht fündig. Durch einen kurzen Telephonanruf ordere ich das Ersatzteil direkt bei HP Velotechnik und weniger als 18 Stunden später trifft bereits der Brief mit der schwarzen Metallscheibe ein. Nach deren Montage wird das Fahrrad gründlich gereinigt, die beiden Rückreflektoren wieder montiert und die Kette abgerieben und geölt. — Total Reset!

Montag, 17. März 2014

Erweiterung meines Fuhrparks — Der Transportler

eBay meldet ein neues Angebot, ich mache spontan einen Preisvorschlag und … bin prompt stolzer Besitzer eines Lastenanhängers »Croozer Travel«, der bekanntlich seit einiger Zeit nicht mehr hergestellt wird. Das Paket, das wenige Tage später in seiner »individuellen« Verschnürung geliefert wird, sieht zwar auf den ersten Blick wenig vertrauenswürdig aus, der Inhalt erweist sich jedoch als vollständig und – abgesehen von deutlichen Spuren des Gebrauchs – funktionstüchtig.

Für den ersten Test montiere ich den Anhänger an meinem Koga-Miyata und transportiere eine kleine Tasche mit Gartenschnitt zur Kompostanlage. Anschließend umrunde ich die Lichtenfelser Innenstadt. Mit 40 psi rollt das leichte Gefährt tadellos hinterher. Der überholende Kraftverkehr ist noch rücksichtsvoller als sonst. :o)

Beim Bamberger »Radladen« hole ich zwei Ventilkappen und bei »Obi« zwei Endkappen (für Vorhangstangen) aus Metall für die hintere Reling (eine der Gummikappen ist aufgerissen). Den zentralen »Standfuß« ersetze ich durch einen Kunststoffring und eine passende Inbusschraube. Und sämtliche Kontaktstellen der Mechanik (Steckachsen, Kupplung und Sicherungsstifte) bekommen eine ordentliche »Abreibung« mit geeignetem Schmiermittel.

Bei einer zweiten kurzen Fahrt »um den Block« teste ich sowohl das Fahrverhalten des Anhängers an der »Speedmachine«, als auch deren Dualdrive-Schaltnabe, nachdem ich bei der letzten Wartung etliche »in Auerochsenfett gebratene Schweinskaldaunen« aus dem Ersatzmodell übertragen habe. Bis auf das Schlackern der beiden Spanngurte macht auch diese Kombination kaum störende Fahrgeräusche. Alternativ lässt sich eine stabile Klappkiste montieren, indem man zwei passende Löcher in deren Boden bohrt und so die beiden »Parkbuchten« der Räder für die Verschraubung zweckentfremdet.

¶ Nachtrag 25. März 2014: Angeregt durch diesen Beitrag im MTB-Forum besorge ich mir ein Beleuchtungsset von »Prophete« und montiere das LED-Rücklicht am »Croozer Travel«. Da die beiden Klemmschellen für Lenker bzw. Sattelstütze vorgesehen sind, passen sie auch mit den beiliegenden Gummieinlagen nicht an die schmale Reling. Nach längerer Suche in meinen diversen »Kramkisten« verheirate ich den Steckschuh mit einer kurzen Inbusschraube, einer geriffelten Mutter und einem Schutzblechhalter als »Standfuß«. Damit passt das UFO-förmige Rücklicht bestens unter die Reling. (Die Halogen-»Taschenlampe« schafft es wohl nicht mehr in den Straßenverkehr.)

¶ Nachtrag 18. August 2014: Die jüngste eBay-Auktion für einen, dem Augenschein nach fast neuwertigen, »Croozer Travel« endete mit einem Zuschlag bei 256,– € – mehr als der ursprüngliche Neupreis (und doppelt so viel, wie ich bezahlt habe).

¶ Nachtrag 30. August 2014: Heute war der erste Test mit Anhänger auf einer »Fernfahrt«, sprich: nach Bamberg zum Orgelkonzert im Dom und zum Einkaufen am Grünen Markt. Der »Croozer Travel« läuft auf der bekannten Strecke sowohl leer als auch beladen tadellos hinterher. Auf dem Hinweg bringe ich die Reifen durch Spurwechsel und »Abheben« buchstäblich zum Qietschen; auf dem Rückweg erreiche ich einen Schnitt von 23,8 km/h. Suuuper! :o)

Dienstag, 17. September 2013

Forumsreise an Main, Wern, Tauber (, Sinn und Kinzig)

Aufgrund der – am Ende katastrophalen – Wetterentwicklung wurde die geplante »Fronleichnamsfahrt 2013« abgesagt, gleich im Anschluss aber in Verbindung mit dem »Rhein–Main Liegerad- und Velomobiltreffen« und dem »Autofreien Kinzigtal« in erweiterter Form wiederver- und aufgewertet.

Zusätzlich zu den folgenden Aufnahmen gibt es eine weitere Bildersammlung.

Kahl am MainFreudenbergRetzstadtSennfeldFrickenhausenTauberbischofsheimLohr am MainLichtenfels am MainFazit

Tag 1, Samstag, 31. August 2013: Lichtenfels – Bamberg – Kahl am Main

Mehrteilige Bahnfahrt mit Kultur in der Mitte
250,45 km

Abfahrt in Lichtenfels Speedmachine im Talent-2 Bamberger Dom Bamberger Reiter

Wegen des geänderten Streckenverlaufes und des viel weiter westlich gelegenen Startpunktes entschließe ich mich, die Anreise nicht aus eigener Kraft zu unternehmen, sondern mich auf die Dienste der Deutschen Bahn zu verlassen. Immerhin kann ich so einen kulturellen Teil an den Anfang des Urlaubs stellen, nämlich den Besuch des mittäglichen Orgelkonzertes im Bamberger Dom. (Heute fahre ich – trotz oder gerade wegen des Gepäcks – in »Zivil«, denn normalerweise ist die Strecke Lichtenfels–Bamberg ideal zum »Aufwärmen«.)

Der seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2012 eingesetzte Nahverkehrszug vom Typ »Talent 2« empfängt mich gleich beim Einsteigen mit einem Knalleffekt: Die vollbepackte Speedmachine stolpert über die überraschend hohe Stufe nach unten, so dass ich beim Zugreifen mal wieder den Lenker verdrehe. Außerdem ist das »Fahrradabteil« dermaßen eng, dass ich es für die erste kurze Etappe bis Bamberg vorziehe, die Fuhre im Einstiegsbereich stehen zu lassen. (Die korpulente Dame vom Catering muss dann prompt mit ihrem Wägelchen einen Slalomlauf um den Ausleger meines Fahrrades machen. Einen Kontrolleur bekomme ich in den folgenden sechs Stunden nicht zu Gesicht.) — Es braucht schon wahrlich hohe (deutsche?) Ingenieurskunst, um sich solch vortrefflich modernes Gerät mit derartig fiesen Matenten aus dem Hirn zu drücken.

Am Bamberger Bahnhof dauert es mehrere Minuten, bis ich in der Warteschlange am Aufzug zum Hauptausgang an die Reihe komme. Der angestaute Ärger kommt endgültig zur Explosion, als die Gepäckanlage bei Überbezahlung (einmal 2,– € und zweimal 1,– € für die geforderten 3,50 € Miete) statt rauszugeben ausgerechnet die Zwei-€-Münze einbehält und ansonsten in »Reset« geht. Der Bahnhofskiosk weigert sich im folgenden, Bargeld ohne Einkauf zu wechseln und der »DB Service« ist einfach nur grottig. Wutentbrannt denke ich kurz über eine Umkehr nach, entschließe mich dann aber, den Besuch in der Stadt und auf dem Domberg mitsamt dem Gepäck zu unternehmen.

Am »Grünen Markt« kaufe ich eine Tüte Kekse, die tatsächlich bis zum Ende der Reise reichen, sowie einen vegetarischen Fladen und eine Tasse Kaffee. Beim Verzehr komme ich mit einem Radreisenden ins Gespräch, der über ähnliche Probleme mit dem Rad- und Gepäcktransport in Zügen der Deutschen Bahn berichtet. Dann fahre ich hinauf zum Domplatz. Da es dort natürlich keine Möglichkeit gibt, das Fahrrad und das Gepäck »sicher« zu verstauen, stelle ich die Fuhre offen sichtbar neben den Dom (in direkter Nachbarschaft zu einem weiteren interessanten Gefährt), nehme nur die Wertsachen an mich und verlasse mich ansonsten auf die »soziale Kontrolle« an diesem öffentlichen Ort. Zur Stärkung genehmige ich mir einen ersten Keks und begebe mich dann in den Dom. Kurz vor Beginn des Orgelkonzerts wird der Ostchor geöffnet und ich finde wieder einen Platz mit gutem Überblick (und ebensolcher Akustik). Dank Mittagsläuten und erbaulicher Musik kann ich endlich den anfänglichen Ärger vergessen und mich auf die nächsten beiden Etappen ÖPNV einstimmen.

Beim Einsteigen in den zweiteiligen Zug nach Würzburg schickt mich der Schaffner wegen Platzmangels »nach hinten«, was sich als sehr vorteilhaft erweist. Das Fahrradsymbol am Einstieg der älteren Zuggarnitur lockt die anderen Fahrradfahrenden an, so dass ich die linke Tür für mich alleine habe und meine Taschen und die Speedmachine ohne Probleme einladen und für die Fahrt nach Würzburg sicher verstauen kann. Während der Fahrt mache ich aus dem Proviant einen Mittagsimbiss. Das Umsteigen in Würzburg wird mangels Aufzugs zum Krafttraining, denn ausgerechnet die leichteste Tasche will partout nicht auf dem Kofferband liegen bleiben, so dass ich dreimal die Treppe erklimmen muss, bis sämtliche Brocken oben sind (wobei ich eine andere Radlerin brüsk abweise, die glaubt, ich hätte Zeit und Lust, auch noch ihr beim Höhentransport ihres Schleifers zu helfen). Da der Pendelzug nach Frankfurt in Würzburg eingesetzt wird, leert sich das geräumige Frachtabteil vollständig, wird dann aber zum großen Teil durch eine ausgelassene »Ziegenherde« in Beschlag genommen, so dass ich meinen Packesel bis Gemünden nur notdürftig abstellen kann. Darauf gönne ich mir nebenan im klimatisierten Sitzabteil einen »lekker koffie«. Unterwegs entschuldigt sich der Zugbegleiter mehrfach für den versifften Zustand des Zuges, der wohl schon den ganzen Tag als Zubringer zum »Elektro-Musik-Festival« in Gemünden gedient hat. Hinter Partenstein kommt dann noch die Ansage: »Zugführer: Überholung – Achtung, Weißwurscht!«

Um 16:00 erreichen wir die Haltestelle »Kahl(Main)«. Auf der Suche nach einem Supermarkt fahre ich zunächst die örtliche Hauptstraße in Richtung Südosten buchstäblich bis zum Ortsausgang. Am dortigen Autohaus frage ich einen Mann nach einer geeigneten Einkaufsmöglichkeit und er schickt mich ans nordwestliche Ortsende zur Tankstelle und »150 m« darüber hinaus. Im Nachhinein lerne ich, dass ich bei meinem Einkauf im Gewerbegebiet Großkrotzenburg zumindest einige Minuten auf hessischem Grund und Boden war. Damit wird es auch für mich eine »Drei-Länder-Fahrt«. Anschließend fahre ich zum Campingplatz Kahl, baue mein Zelt auf, wobei ich mit einem Münsteraner Radler plaudere, der eine mehrwöchige Fahrt in Thüringen und Bayern absolviert, und schließe mich dann dem »Rhein–Main-Treffen« im italienischen Gasthaus am See an. Nach der gemütlichen Plauderei bei Apfelschorle und Bauernsalat endet der Tag erfreulich früh im Zelt.

Tag 2, Sonntag, 1. September 2013: Kahl am Main – Freudenberg

Auftaktetappe am Main
72,52 km

Campingplatz Kahl am Main Campingplatz Freudenberg

Kurz vor halb sechs wache ich auf, besuche die »Keramikabteilung« und erfreue mich an einer schönen Konstellation von schmaler Mondsichel und Planet Jupiter sowie einigen Sternen (Orion), die überraschenderweise trotz der Nähe zur Großstadt in der beginnenden Dämmerung zu sehen sind. Nach dem Frühstück im Zelt aus Proviant schließe ich mich den Mitreisenden zu einer ersten Tasse Kaffee am Kiosk an, wo sich ein thematisch weit gestreutes Gespräch entspinnt. Nach dem gemeinsamen Sammeln schließt sich eine gemütliche Tagesetappe auf dem Main-Radweg an, kulinarisch unterbrochen vom leckeren Mittagessen in der Römerstadt Obernburg, wo ich vor zwölf Jahren für gut zwei Wochen beruflich tätig war. Am Nachmittag gibt’s dann noch in einem Biergarten am Mainradweg einen Kaffee und ein Stück »Graumohnkuchen« (mit viel zuviel Zuckerguss) und schließlich erreichen wir den Campingplatz Freudenberg. Am Abend treffen wir uns zu einem weiteren gemeinsamen Essen in der dortigen Gastwirtschaft, wo sich ein Nachzügler zu uns gesellt.

Tag 3, Montag, 2. September 2013: Freudenberg – Würzburg – Retzstadt

Per Abkürzung zum Grillen
91,86 km

Am Main bei Urphar Mittags in Bettingen

Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück am Campingplatz und mit einem ersten »Boxenstopp« im Nachbarort: An einem der Velomobile müssen kurzfristig die Pedale erneuert werden. Dann geht es weiter den Main aufwärts über Wertheim bis Bettingen. Der dort angepeilte Biergarten »Zum Anker« hat ausgerechnet montags Ruhetag, so dass die Mittagspause am kleinen Dorfladen mit Bäckerei und Metzgerei stattfindet, wobei ich weiter von meinen eigenen Vorräten zehren kann und mir nur eine Tasse Kaffee gönne. Zwischendurch probiere ich für einige Zeit das Fahren auf der »Greenmachine« mit Rohloff-Schaltung und Klapptiller, bis mein Tauschpartner Probleme mit der vergleichsweise nervösen Speedmachine bekommt.

Von Bettingen fahren wir zur »Abkürzung« durch das Aalbachtal in Richtung Würzburg, wobei unsere Gruppe unterwegs sogar weiteren »Zuwachs« erhält. Nach der steilen Abfahrt unterhalb der Festung erobert unser »bunter Haufen« die Würzburger Altstadt über die Mainbrücke und sorgt an der Eisdiele für großes Aufsehen (»Coppa Nocciola«). Weiter geht es durch die Mainauen in Richtung Zellingen und das Tagesziel Retzstadt. Für das gemeinsame Grillen besorgen wir uns unterwegs die nötigen Fressalien und Getränke, so dass der Tag bei einem langen und äußerst gemütlichen Zusammensein ausklingen kann, bevor wir uns in das »Matratzenlager« zurückziehen.

Leider endet für mich der Abend mit einer herben Enttäuschung: Seit einem kurzen Porträt in der »Frankenschau« freue ich mich auf einen Einkauf bei der »Bäckerei Engel« in Retzstadt, muss aber von unserer Gastgeberin erfahren, dass der Backverkauf ausgerechnet dienstags nicht geöffnet hat. :o(

Tag 4, Dienstag, 3. September 2013: Retzstadt – Sennfeld

Entdeckung des Werntals
86,38 km

Himmlisches Dinkelvollkornbrötchen Kaputte Brücke im Werntal

»Die Letzten werden die Ersten sein« – gemäß diesem Spruch komme ich kurz nach 6:00 dazu, ein wenig Morgenandacht per MP3 zu hören, bis die anderen Mitreisenden zum Frühstück kommen.

Gleich nach der Abfahrt erlebe ich eine tolle Überraschung am Morgen: Bei der Fahrt durch den Ort zurück in Richtung Main zeigt sich, dass die Bäckerei Engel doch geöffnet hat und ein überaus reichhaltiges Angebot bereithält. So kommt es wenige Meter nach dem Start zu einem ersten Aufenthalt, weil ich mich glücklich mit Dinkelvollkornbrot und -brötchen sowie zwei Süßteilchen versorge und dabei mit der Verkäuferin über den Auslöser meines Besuchs plaudere (da behaupte noch jemand, dass Fernsehwerbung nicht funktioniert). Sie sagt mir, dass die geänderte Dienstagsöffnung bereits seit Anfang des Jahres bestehe, und diese Information wird auf der Mainbrücke zwischen Retzbach und Zellingen gleich fernmündlich an unsere Gastgeberin zur allgemeinen Verbreitung unter der örtlichen Bevölkerung weitergereicht. :o)

Über Karlstadt fahren wir bis Wernfeld, wo wir vom Maintal in das Tal der Wern abbiegen. Am Abzweig kann ich gleich die Qualität der frisch erstandenen Backwaren (Dinkelbrötchen mit Tomatenaufstrich und Kohlrabischeiben) testen (und für äußerst schmackhaft befinden). Die Strecke in Richtung Schweinfurt ist gut beschildert und lässt sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch in der Gruppe sehr komfortabel absolvieren. Wegen der im Fränkischen üblichen gastronomischen Dienstagsruhe findet unsere gemeinsame Mittagsrast an einer Backstube in Thüngen statt, gefolgt von einem frühen Abendessen/späten Kaffeetrinken in Werneck (herzhafte Crêpes mit Tomate und Mozzarella). Tagesziel ist schließlich der Campingplatz in Sennfeld, wo leider der Boiler für die Duschen mit dem gleichzeitigen Ansturm völlig überfordert ist, so dass die meisten von uns den Tag mit einer reichlich erfrischenden Dusche beenden müssen.

Tag 5, Mittwoch, 4. September 2013: Sennfeld – Frickenhausen

Zweite Etappe am Main
73,72 km

Campingplatz Sennfeld AKW Grafenrheinfeld Kloster St. Ludwig Mainbrücke Ochsenfurt Campingplatz Frickenhausen Campingplatz Frickenhausen

Pünktlich zum Sonnenaufgang um 6:45 öffne ich das Zelt. Bis zur Abfahrt ist es warm genug zum Abtrocknen. Leider habe ich in der Nacht eine Schnecke zerquetscht (und eine zweite hat am Innenzelt eine Schleimspur hinterlassen), so dass ich beim Abbau zuerst mal die Bodenmatte gründlich säubern muss. Parallel dazu steht ein velomobiler Mitfahrer vor dem Abbruch dieser Tour, weil sich an der Aufhängung des linken Vorderrades ein Riss gezeigt hat, was ein sicheres Weiterfahren verunmöglicht. Immerhin nutzen wir das schöne Morgenlicht für ein gemeinsames Gruppenbild am Pavillon.

Die Fahrt ist angenehm, aber warm – der Sommer meldet sich nochmals mit Kraft zu Wort, bereits beim Start trage ich Sonnencreme auf. In Volkach machen wir zusammen (kaltes) Mittagmahl beim Rewe-Bäcker und in Kitzingen fallen wir in die enge »Marktstraße« ein, um ein Eis oder ähnliches zu genießen. Leider fällt unterwegs »Sight Seeing« in der Gruppe weitgehend flach – Kloster St. Ludwig, Weinort Sommerach, Münsterschwarzach, Marktbreit (Alzheimer) etc. rauschen unbesichtigt an uns vorbei. Am Campingplatz Frickenhausen nutze ich meine astronomischen und geographischen Kenntnisse und stelle als Einziger mein Zelt auf der großen Wiese vor den Weidenbäumen auf, während alle anderen sich eng im Halbkreis am »Forum« drapieren; am nächsten Morgen kann ich mein Zelt eine halbe Stunde früher als die anderen trocken einpacken. ;o)

Tag 6, Donnerstag, 5. September 2013: Frickenhausen – Tauberbischofsheim

Vom Main zur Tauber
71,79 km

Campingplatz Frickenhausen Solare Zelttrocknung Am Gaubahnradweg Am Gaubahnradweg

Der Tag beginnt mit dem 6:00-Läuten und wiederum wolkenlosem Himmel. Mit Hilfe eines »Leihstuhls« als Stativerhöhung basteln wir im Halbrund des »Forums« ein weiteres Gruppenbild – sogar mit den bepackten Fahrzeugen. Dann fahren wir über die neue alte Mainbrücke nach Ochsenfurt und von dort auf dem »Gaubahnradweg« nach Bieberehren an der Tauber. Das Mittagessen in einem kleinen Biergarten besteht leider in den meisten Fällen aus den Zutaten »Formfleischschinken« und »Anna-log-Käse«, wie die Speisekarte fein säuberlich ausweist. »Witzig« an dem Gasthaus ist bestenfalls der vierzehnjährige »Kellner«, der seine Sache in auffallend lässiger Manier bewältigt.

In Bad Mergentheim gönnen wir uns direkt vor dem Deutschherrenschloss einen Kaffee und (ich) ein großes Stück Kirschstreuselkuchen. In Lauda geht’s zum Einkaufen, was mir den erste Spekulatius dieser Saison beschert, und bei einer »Umverfahrung« kaufe ich aus Langeweile bei der »Bäckerei Bamberger« in Igersheim zwei Brötchen für sofort.

Die Übernachtung in Tauberbischofsheim wird dann recht rustikal: Auf der Wiese eines Reiterhofs können wir unsere Zelte aufstellen (wobei ich wegen der Schnecken am Bach noch am Abend »umparke«), an der teilweise überdachten Sitzgruppe mit Biertischen lässt sich Abend- und Morgenessen sehr gut gemeinsam einnehmen, aber eine Spüle im Haus und ein winziges WC mit noch winzigerem Waschbecken (Duftspray statt Seife, dafür ausreichend Versorgung mit Essigreiniger) als Sanitärausstattung ist schon ein wenig gewagt.

Tag 7, Freitag, 6. September 2013: Tauberbischofsheim – Lohr am Main

Liebliches Taubertal
74,82 km

Campingplatz Tauberbischofsheim Campingplatz Lohr am Main

Klatschnasses Zelt am Morgen und auch die Sitzgruppe ist taunass und mit lehmigen Katzentatzenspuren verziert. Zur Stärkung für einen weiteren warmen und sonnigen Tag gibt es ein ausgiebiges Frühstück. Im Folgenden erweist sich dieses Mal das Taubertal als überaus lieblich. Leider bleibt auch hier für Sight Seeing keine Zeit (Weikersheim ist wieder skulpturenlos, Planetenweg und Schloss bleiben auf der Strecke, Kloster Bronnbach liegt unerreicht jenseits von Bahnlinie und Fluss). In Wertheim verabschiedet sich der erste Teilnehmer in Richtung Heimat. Anders als am Montag hat der Biergarten »Anker« in Bettingen heute geöffnet; das Angebot an Speisen ist OK, aber kein wirklicher Brüller. In Lohr stoßen einige Neuzugänge zu unserer Truppe. Zum abendlichen Einkauf fahre ich zunächst durch die hübsche Innenstadt und dann doch zum Gewerbegebiet am Bahnhof (Edeka geht diesmal leer aus, dafür gibt es bei Lidl »deutsche Heidelbeeren«, die bestens in mein Müsli passen). Die zahlreichen örtlichen Kirchen gestalten gemeinsam ein wunderbares Glockenkonzert zum Wochenausklang. Am Abend muss ich dann noch bei der Vernichtung einer Überportion »Kartoffeln mit Quark« helfen und darf mir sogar Proviant für den nächsten Tag einpacken. Danke nochmals dafür!

Tag 8, Samstag, 7. September 2013: Lohr am Main – Lichtenfels

Wern zum zweiten, Main zum dritten
156,08 km

Morgenröte in Lohr Abschied in Gemünden Mittagspause in Wernfeld Vesper in Werneck

Der »Aussteiger« aus Sennfeld ist mit reparierter Rappelkiste wieder da, der »Greenmachinist« hat sich aber zwecks Erweiterung seines Fuhrparks noch am Abend abgesetzt, einige Teilnehmer verzichten auf das »Autofreie Kinzigtal« und verabschieden sich nach dem Einpacken in Richtung Aschaffenburg und Kahl, aber Dank der Neuzugänge für das Wochenende hat unsere Gruppe zumindest kurzzeitig ihre Maximalstärke erreicht. Von Lohr bis Gemünden fahren wir gemeinsam, dort muss ich aber wegen eines privaten Termins am Sonntag ebenfalls »Adieu« – oder besser »Adé« – sagen und mainaufwärts gen Osten abbiegen. Ab Wernfeld nutze ich die neu entdeckte »Abkürzung« durch das Werntal nach Schweinfurt, von dort geht’s stets am Main entlang über Haßfurt und Hallstadt zurück in die Heimat. Im Rückspiegel sehe ich das graublaue Wolkenband, das den herbstlichen Wetterumschwung andeutet, kämpfe zwischen Thüngen und Arnstein mit kleineren technischen Problemen an der Nabenschaltung (und plaudere währenddessen mit einem Würzburger Rennradler, der eine wetterbedingt kurze Runde absolviert) und komme Dank vier gleichmäßig über den Tag verteilten Brotzeitpausen ansonsten unbeschadet um 18:45 am Marktplatz in Lichtenfels an, wo ein dreifaches Eis »Mokka–Mango–Pistazie« den krönenden Abschluss dieser sehr schönen Reise bildet.

Fazit

Das ergibt total 621,07 gefahrene Kilometer in sieben Tagen (zuzüglich 250 km mit der Bahn). Ein riesengroßer Dank gebührt an dieser Stelle dem »Veranstalter« für die Ausarbeitung der einzelnen Etappen durch landschaftlich äußerst interessantes und vielseitiges Gebiet. Insbesondere die »Querverbindungen« (Bettingen–Würzburg, Ochsenfurt–Bieberehren) und vor allem natürlich die Etappe durch das Werntal bieten exzellente Varianten für zukünftige Reiseplanungen. Das Fahren in der Gruppe mit durchgehend circa einem Dutzend verschiedener Liegefahrräder (zwei Einspurer, ein Janus-Tandem, mehrere Trikes und etliche Velomobile) gestaltete sich durchwegs als angenehm, es war ausdrücklich kein »Rennen«, sondern es wurde stets Rücksicht auf die Langsameren genommen. Die technischen Probleme hielten sich in erfreulich engen und kurzfristig korrigierbaren Grenzen, die kulinarischen Genüsse waren vielfältig und je nach Gusto frei wählbar. Es war ein tolles Erlebnis.

Sonntag, 7. Juli 2013

Aus »Neu« mach »Alt« – Getriebeteiletausch an der Speedmachine

Nach der umfangreichen Sanierung der äußeren Getriebeteile dauert es nur etwas mehr als eine Woche, bis sich die Getriebenabe leise aber vernehmlich meldet: »Ja, und ich?!«

Im Anschluss an die Dienstagsausfahrt mit Coburger und Bamberger Liegeradfreunden gehe ich dem Knacken im Freilauf auf den Grund. Knapp zwei Jahre und mehr als 18.000 km sind vergangen seit der letzten Generalreinigung. Das Innere der 3-Gang-Nabe hat sich wieder ganz (un)schön verfärbt, so dass nach dem Zerlegen zunächst eine gründliche Reinigung und dann neues Ölen/Schmieren angesagt sind. Beim Zusammenbauen stoße ich schließlich auf die (vermeintliche) Ursache für die Misstöne: Eine winzige Feder, die eine der beiden Sperrklinken im Hohlrad ausstellen soll, ist verdreckt, verbogen und rausgeflogen (und am Ende verschwunden).

Mittwoch, 3. Juli 2013, und Donnerstag, 4. Juli 2013

Im ersten Anlauf mache ich alle Pferde scheu, bringe das defekte Hohlrad zu »Mr. Bike« und bestelle ein (hoffentlich baugleiches) neues, und entschließe mich spontan zum »Upgrade« der Dualdrive-Nabe. Dazu transportiere ich das (entkernte) Hinterrad zusammen mit einem kürzlich gekauften 20-Zoll-Hinterrad mit einer »Dualdrive II« per »Fahrradkurier« zu »gingko Spezialradteile« nach Creidlitz. Leider erfahre ich dann einige Stunden später per Email, dass der Getriebetausch rein technisch unmöglich sei, denn die Speichenzahl der beiden Räder ist unterschiedlich! Wie konnte ich mich da nur (mehrfach) verzählen?! :o(

Samstag, 6. Juli 2013

Nach einer Nacht »drüber schlafen« wähle ich die eigentlich logische Option, storniere die Bestellung bei »Mr. Bike« und den Auftrag bei »gingko«, sammle sämtliche Einzelteile wieder ein (erste Radtour nach Creidlitz am Vormittag) und mache mich selbst ans Werk. Mit Pinzette und Zahntechnikerzange öffne ich das Hohlrad der »Dualdrive II« und entnehme eine der Sperrklinkenfedern. Diese drücke ich vorsichtig in die Fehlstelle der »Dualdrive« aus der Speedmachine. Passt perfekt!

Leider zeigt sich nach dem Zusammenbau, dass die Schaltung nach der Generalreinigung und der »neuen Ölung« gar nicht mehr funktioniert. Zwar schnurrt das Rad beim Drehen wie neu geboren, jedoch hakelt der Schaltstift (oder irgend etwas im Inneren der Nabe) und die drei Gänge lassen sich nicht treffsicher schalten. Auch ein erneutes Öffnen und sorgfältig(er)es Zusammenstecken ändert nichts an der Problematik.

Nach dem Ausbau der Clickbox und Entnahme des Seilzuges fahre ich zum Supermarkt, finde dort jedoch nur Schaltzüge in »Standardlänge« von 200 cm. Also rufe ich nochmals bei »gingko« an und fahre nach dem Abendessen zum zweiten Mal an diesem Tag nach Creidlitz, um zwei Schaltzüge in passender Länge zu besorgen. Um nach diesem langen Tag nicht noch mehr kaputt zu machen, zerlege ich nur noch beide Getriebenaben und lege zum Schluss die widerspenstige Schaltachse in ein Reinigungsbad. Schon nach kurzer Zeit zeigen sich die ersten rotbraunen Flocken.

Sonntag, 7. Juli 2013

Wieder eine Nacht später widme ich mich am Vormittag der Schaltachse. Nach dem Einweichen in Kettenreiniger putze ich die Hohlachse akribisch mit Waschbenzin, Pfeifenreiniger und Zahnbürste, bis auch die letzten Rückstände beseitigt sind. Dann neu ölen/fetten und wieder zusammenschrauben. Sehr viel besser. Jetzt lässt sich das Innere der Schaltnabe gemäß Anleitung wieder sorgfältig montieren und schließlich kommt das Rad ins Rad.

Noch vor dem Mittagessen ziehe ich einen neuen Schaltzug ein (der Gummigriff der Gripshift löst sich nach einer der jüngsten Attacken mit diversen Chemikalien auf) und montiere die neu(er)e Clickbox, die ebenfalls von dem kürzlich gekauften Ersatzteilset stammt und neben der Schutzkappe auch den Indikator für die Gangjustierung besitzt. Einige Runden auf der Straße zeigen einen großen Erfolg dieser ganzen Aktion: Alles schnurrt und schaltet, wie es soll. Zum Schluss wasche ich die Lenkergriffe und die hintere Felge, um Ölreste zu entfernen. »Ich habe fertig!«

Insgesamt sind die folgenden Teile aus der »neuen Dualdrive II« (die hat immerhin auch schon 6.000 km drauf) in die wiedergeborene »Dualdrive I« gewandert:

  • Sperrklinkenfeder im Hohlrad (8)
  • Scheibe (9) am Sperrklinkenträger
  • Clickbox komplett
  • Hutmutter und Ringmutter zur Achsfixierung
Weitere Kandidaten für Erneuerung sind die Kettenröllchen im Schaltwerk, die Außenhülle des Zuges, die Kugelträger (16) an der Achse und die Schaltbuchse (12, 13) (siehe unten). Auf jeden Fall muss zeitnah der linke Gummigriff ersetzt werden. Und – ganz wichtig – ich muss mir einen Kalendervermerk setzen, dass die nächste Generalinspektion nicht wieder so weit über die Herstellerangabe hinausreicht.

¶ Nachtrag, 8. August 2013

Bei den letzten Touren war ich »hellhörig« geworden, denn in undefinierten Situationen ließen sich kratzende und schleifende Geräusche »von hinten« vernehmen. Drehen an der Zugeinstellung konnte die Symptome weitgehend – aber nicht völlig – beseitigen. Also entschließe ich mich nach 2.191,10 km, die Schaltnabe prophylaktisch zu öffnen und nach einer möglichen Störung zu suchen.

Nach dem Abnehmen der Gehäusehülse – diesmal ohne Abziehen des Zahnkranzes – und dem Ausbau von Planetenträger und Hohlrad, scheint mechanisch alles in Ordnung zu sein. Lediglich die Scheibe (6) am Planetenträger ist stellenweise »verfettet«. Vor dem Zusammenbau bekommen die Sperrklinken je einen Tropfen Nähmaschinenöl und die Außenseite des Hohlrades zwei Streifen Wälzlagerfett, dann können sämtliche Teile wieder verheiratet werden. 100 m Probefahrt mit reichlichem Schalten zeigt keine Auffälligkeiten. Ebenso sind eine kurze Einkaufsfahrt am Nachmittag und eine kleine Abendrunde ohne Befund.

Nachtrag, 16. März 2014

Nach dem langen, milden »Winter« wird es mal wieder Zeit für eine Überprüfung der Dualdrive-Schaltnabe. Nach einer Nacht im Reinigungsbad und dem Anbringen einer neuen Fett- und Ölschicht läuft das »Wunderei« eigentlich wieder wie »geschmiert« (wie zwei 70 km-Touren nach Bamberg beziehungsweise zum Muppberg überzeugend darlegen); am dritten Tag jedoch geht (mal wieder) der »1. Gang« verloren.

In einer größeren Umbauaktion übertrage ich kurzerhand vier weitere Teile aus der »neuen Dualdrive II«:

  • Achse (11; beim Aus- und Einbauen hat sich der Sicherungsring des Schlittens verbogen)
  • Antreiber/Freilauf (17+14; der »alte« ist zumindest außen arg verschmiert)
  • Schaltbuchse (12+13; beim alten hat der Querträger arg viel »Spiel«, was m.M.n. zu den Schaltproblem führte)
  • Sperrklinkenträger (10; der alte hat einen größeren Durchmesser und passt nicht zur neuen Schaltbuchse)
Außerdem ersetze ich die geriffelte Unterlegscheibe auf der linken Seite durch die zweite Fixierscheibe mit Haken. Die mittlerweile völlig verblasste Markierung auf der Clickbox ersetze ich durch einen (weißen) Farbklecks.

Samstag, 22. Juni 2013

Aus »Alt« mach »Neu« – Getriebetausch an der Speedmachine

Ist es wirklich schon neun Monate her, seit ich hier zuletzt etwas veröffentlicht habe? Es war wohl ein verdammt langer Winter. :o) (Dafür gibt es in kurzer Folge einen zweiten und dritten Teil.)

Sogar noch drei Jahre länger bin ich mit der im September 2009 von »hofrad« in Berlin montierten Getriebegarnitur unterwegs, buchstäblich von der Ostsee über den Bodensee zum Chiemsee. Alleine die Tacho- und GPS-Aufzeichnungen summieren sich auf mehr als 30.000 km. Jetzt ist es wirklich an der Zeit, die verbrauchten Teile auszutauschen (und an dieser Stelle davon zu berichten).

Einzelne Ersatzteile lagen bereits seit einem halben Jahr in meiner Werkstattkiste, aber der mentale Antrieb zum Tausch des mechanischen Antriebs hat bisher gefehlt. Außerdem waren so schöne »Schallmauern« wie »insgesamt 50.000 gefahrene Kilometer« und »30.000 km mit einer Kette« zu durchbrechen. Nachdem dies jetzt in kurzer Folge gelungen ist und sich obendrein merkliche Verschleißerscheinungen gezeigt haben, nutze ich die Hitze des kurzen Rekordsommers, um in der angenehm kühlen Werkstatt mir und meinem Lieblingsfahrrad etwas Gutes zu tun.

Umlenkrolle

Schon im Herbst hatte ich bei »hofrad« angefragt, ob ich für die TerraCycle-Umlenkrolle ein neues Ritzel aus Titan bekommen könne. Das wäre zwar recht teuer, sollte aber noch wesentlich länger halten als die Aluvariante. Statt nun teures Geld für die Luxusvariante zu bezahlen, wurde ich mit einem Gratisexemplar des Aluritzels beschenkt, weil offenbar die Aufnahme bei neueren Rollen anders konstruiert ist und die neuen Titanritzel nicht in die alte Rolle passen. Beeindruckend ist die Standfestigkeit dieses »Verschleißteils« allemal, auch wenn die jüngsten Ausflüge doch arge Spuren hinterlassen haben.

¶ Im Nachgang habe ich jetzt die beiden Kugellager der TerraCycle erneuert. Zumindest das hintere Lager war völlig verdreckt und der Käfig vermutlich angerostet. Putzen lohnt da nicht mehr, also einfach zwei »Powerslide Twincam ILQ-7« rein und gut ist’s.

Kette

Gemessen an den bisherigen Garnituren ist die Laufleistung der aktuellen Kettenschaltung absolut beeindruckend. Die 2007 original von »HP Velotechnik« verbaute SRAM-Kette hatte kaum 4.000 km durchgehalten, die anschließend von »hofrad« installierte Shimano-HG-73 mit der HPV-Umlenkrolle immerhin 16.000 km. Die im September 2009 ebenfalls von »hofrad« eingebaute Shimano-Kette brachte es nun in Kombination mit den anderen hier gezeigten Teilen nochmals auf fast die doppelte Strecke. (Zu den Tacho- und GPS-Aufzeichnungen von mehr als 30.000 km sind bestimmt noch einige Hundert Kilometer »ohne« hinzuzurechnen.) Um jetzt nicht wieder drei Rennradketten zusammenzuhängen, besorge ich mir bei »gingko Spezialradteile« eine Yaban-9-fach-Kette »am Stück«.

Kettenblatt

Für das »Upgrade« ist bereits ein Gebhardt CNC-Kettenblatt mit 42 Zähnen bei »gingko Spezialradteile« bestellt, das das bisherige 39er Kettenblatt ersetzen soll. Da sich aber die Haifischzähne des alten Kettenblattes rabiat in der neuen Kette verbeißen, muss dringend ein Ersatz her, um das Fahrrad überhaupt fahrbereit machen zu können. Bei »Radsport Höppel« besorge ich spontan ein Kettenblatt »TA Hégoa CNC« in der alten Größe.

¶ Heute ist »Lagerwechseltag«. Nachdem ich die TerraCycle-Umlenkrolle mit 608er Inliner-Lagern erneuert habe, musste auch die verbleibende störende Geräuschquelle beseitigt werden. Nach 50.000 km geht das Innenlager im Ausleger den Weg alles Irdischen. Ein neues Shimano-Innenlager lässt das Treten wieder zum Vergnügen werden. (Was knirscht da am hinteren Schutzblech? :o))

Schaltgriff und Kassette

Noch während der »Materialsammlung« war mir recht günstig ein SRAM-Drehgriffschalter für die 9-fach-Variante der DualDrive-Schaltung zugeflogen. Die bereits bei »Mr. Bike« gekaufte 8-fach-Kassette habe ich kurzerhand gegen eine 9-fach-Kassette »CS-HG61« getauscht. Zusammen mit dem etwas größeren Kettenblatt und einem zusätzlichen 32er Ritzel im kleinsten Gang erhoffe ich mir ein bisschen mehr Spielraum beim Schalten. (Ein richtiger Renner wird mein »SUV« dadurch wohl auch nicht.)

Gesamtergebnis

Auch wenn ich meine Fahrräder regelmäßig pflege, ist es diesmal erfreulich einfach, den ganzen »Schmodder« mit einem Schlag loszuwerden, indem die meisten verdreckten Teile unbesehen in der Schrottkiste landen können – mit Dank für die hervorragend geleisteten Dienste.

Trotzdem dauert es natürlich mehrere Stunden, bis die Verwandlung »aus Alt mach Neu« tatsächlich vollzogen ist. Auch das Einstellen des Schaltwerkes auf die nun neuen neun Gänge ist nicht ganz trivial, so dass ich mir zwischendurch telephonische Hilfe von »gingko Spezialradteile« holen muss. – Auch hierfür herzlichen Dank!

Das Ergebnis dieser umfangreichen Bastelei kann sich auf jeden Fall sehen lassen.

Nach den ersten wenigen Kilometer Probefahrt bin ich vom neuen »Schaltgefühl« absolut begeistert. Nicht nur, dass der neue Drehschaltgriff natürlich nicht so hakelt wie sein betagter Vorgänger, sondern insbesondere die »weichere« und »stimmigere« Gangfolge macht richtig Spaß. Wie erhofft kann ich in meinem üblichen Leistungsbereich auf den mittleren Ritzeln fahren, statt wie bisher »auf Anschlag«. Wenn in einigen Wochen auch das größere Kettenblatt das hält, was ich mir davon verspreche, dürfte ich wieder gut gerüstet sein für weitere schöne Unternehmungen mit diesem herrlichen Fahrrad. Man sieht ihm die 50.000 km kaum an, oder? :o)